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Über Mühlen, die Stadt in der Stadt und die Pest. Ein Spaziergang durch das Gründerzeitviertel am Hang. Von Karl VI. über Herrn Kolschitzky bis zu Heinz Conrads.

Guide

Michael Nähring

Michael Nähring / Wieden

Die Heumühle, am Ende der Grüngasse, unweit des Naschmarkts, finden wir die vor kurzem renovierte Heumühle, ein ehemaliges Mühlengebäude aus dem 14. Jahrhundert. Ich mag die Vorstellung, wie sie gemeinsam mit 2 anderen Mühlen an einem heute nicht mehr existierenden Bach zur Versorgung des Bezirks beigetragen hat.

Das Freihaus auf der Wieden : Die Stadt in der Stadt. Für Kinder muss es ein Paradies gewesen sein, dieses Labyrinth aus unzähligen Höfen, Stiegen, Durchgängen und Bretterverschlägen. Es war eine Stadt in der Stadt. Wenn ich meinen Gästen den Grundriss an der Hausfassade in der Operngasse zeige, werden wir uns gut vorstellen können, wie hier im 17. und 18. Jahrhundert an die 1000 Menschen gelebt haben und was für eine Atmosphäre das gewesen sein muss.

Der Planquadrat-Garten: Ein Park, der bis heute privat und nicht von der Stadt betreut wird. Nicht viele kennen ihn. Ich liebe die Ruhe dort und die Idee, wie hier in den 70ern eine Bio-Kommune entstanden ist. Das Funkhaus Wien: Ich mag es, wenn ich vor dem Funkhaus in der Argentinierstraße stehe. Es lässt mich an alte Zeiten denken. Die ehemalige RAVAG war hier beheimatet und beim Anblick dieses Baus aus den 30er Jahren muss ich immer an Heinz Conrads und meine Oma danken. Die neue Favorita: Mit dem Theresianum finden wir heute eine Schule in der Favoritenstraße. Wer denkt da schon daran, dass hier Karl VI., der Vater Maria Theresias, die hier zur Welt gekommen ist, gelebt hat und hier gestorben ist. Viele denken bei „Habsburgern“ nur an die Hofburg oder Schönbrunn. Ich finde es interessant, dass man auch hier im 4. Bezirk etwas sehr Bedeutendes aus der Geschichte der Habsburger ausfindig machen kann.

Pfarrkirche St. Elisabeth: Sie ist nicht so bekannt wie die nur wenige hundert Meter entfernte Karlskirche. Dieser schöne Ziegelbau, eine neugotische Kirche aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist mit dem kleinen grünen Platz davor eine Oase im 4. Bezirk und ich liebe es, dort auf einer Bank zu verweilen und zur Ruhe zu kommen.

Mozartbrunnen und Mozartplatz: Auf der Wieden ist Mozarts Zauberflöte entstanden. Ich liebe die Geschichte vom Gartenhäuschen, in die Mozart angeblich eingesperrt worden ist, um das Werk zu vollenden. Und wenn ich meinen Gästen vom alten Freihaustheater erzähle, werde ich es sicher nicht auslassen, zu erklären, wieso besagte Hütte schon lange in Salzburg steht. Als Wiedener darf man schon etwas stolz darauf sein, dass sein Bezirk Teil der berühmten „Wiener Klassik“ ist.